Montag, 15. September 2014

Fröhliche und lächelnde Gesichter statt Schlechtwettermiene beim 11. Stramu-Festival in Würzburg


„Am Wochenende steht uns viel Regen bevor. Das richtige Wetter, um es sich zu Hause gemütlich zu machen und die Füße hochzulegen“, riet die freundliche Stimme aus dem Radio im Wetterbericht. Diese verdient ihren Lebensunterhalt auch nicht als Straßenkünstlerin. Doch Vollblutmusiker, Artisten und Akrobaten lassen sich von ein wenig Wasser und Wind nicht aufhalten, schon gar nicht, wenn das 11. internationale Straßenkunstfestival in Würzburg vor der Tür steht. 

Trotz Regen zog es viele Menschen auf die Straße zum 11. Stramu

 Beinahe 60 Gruppen und Einzeldarbietungen waren am Wochenende in der Würzburger Innenstadt zu bewundern. Dabei reichte das Angebot sehr weit von klassischer Volksmusik, über afrikanische Klänge bis hin zur Feuerschau. Weil das Stramu ein Hutfestival ist, bei dem die Künstler weder Gagen erhalten noch an Eintrittsgeldern verdienen, sind sie auf Spenden angewiesen. Wer jetzt denkt, dass Passanten an einem verregneten Samstagnachmittag nur rasch ihre Einkäufe erledigen möchten und sich dann schnellstmöglich auf den Heimweg machen, der hat definitiv etwas verpasst. Die Musiker animierten die Fußgänger, nicht nur zuzuhören, sondern mitzumachen. Ob Klatschen, Tanzen oder Mitsingen, alles war erwünscht. 

Die Band „LOKomotive“ beispielsweise machte ihrem Namen alle Ehre und wusste, was es heißt einzuheizen. Auf den ersten Blick sieht die Gruppe aus wie eine typische, sehr kleine Blaskapelle. Aber erlebt man ihren Auftritt, weicht dieses Vorurteil schnell Staunen und Begeisterung. Sie mischen schnelle Rhythmen mit einer gekonnten Performance, sodass man das Gefühl bekommt mittanzen oder wenigstens wippen zu müssen. Ihre Darbietung entsprach weniger einem einstudierten Auftritt vor Publikum, sondern erinnerte beinahe an eine Unterhaltung – unter den Musikern aber auch mit den Fußgängern. 

Die Band "LOKomotive" heizte dem Publikum kräftig ein

 Eine weitere Menschentraube ließ sich vor dem Sänger Tristan O’Meara ausmachen, der es beherrscht mehrere seiner acht Instrumente gleichzeitig zu spielen und dazu noch seine emotionale, tiefe Stimme erklingen lässt. Hört man ihm nur wenige Takte zu, so meint man, begleitet vom schwirrenden Klang des Didgeridoos, sich mitten in Australien zu befinden. 

Acht Instrumente gleichzeitig spielt Tristan O'Meara

 Aber nicht nur den Ohren wurde viel geboten, sondern es gab auch viel zu sehen. Die Jonglage- und Diabolokünstler unterhielten vor allem die sehr jungen Stadtbesucher. „Double Take“ beeindruckte zum Beispiel mit sehr schnellen Bewegungen und dem Wechselspiel von Keulen und Bällen, gespickt mit spontanen und humorvollen Bewegungen. 

 
Nicht nur fürs Ohr, sondern auch fürs Auge war viel geboten: Hier die Straßenkünstlerin "Double Take"

Bei so viel Aufregung und Vergnügen wurde natürlich auch für das leibliche Wohl gesorgt. Verschiedene Bäcker und Restaurants hatten eigene Buden aufgestellt, in denen es neben Wein und Bier jede Menge Leckereien, wie duftende Flammkuchen, herzhafte Bratwurstbrötchen und italienische Pizza gab. 

Auch für das leibliche Wohl wird auf dem Stramu bestens gesorgt

 Fazit am Ende des Festivals: Vom trüben Wetter war dank der hervorragenden Auftritte der internationalen Künstler keine Spur mehr übrig. Die Fußgänger in Würzburgs City tanzten mit Regenschirmen in der Hand und zeigten statt Schlechtwettermiene durchweg fröhliche und lächelnde Gesichter. Und wer übrigens der Meinung ist, Straßenmusik sei etwas für Laien, dem sei gesagt, dass der Stargeiger David Garrett, der Popsänger Reamonn oder die Gruppe Passenger ihre Karriere genau auf diese Weise begonnen haben. 


Text und Bilder: Claudia Niedermeier

Montag, 8. September 2014

Studi- und Kulturticker: 8.-14. September 2014

Stramu!

Endlich ist es wieder soweit - Würzburg lädt am Wochenende zum großen Straßenmusikfestival. Neben bekannten internationalen Künstlern werden auch zahlreiche Nachwuchstalente aus Würzburg und Umgebung die Innenstadt in ein buntes Festivalgelände verwandeln. Egal, welches Lebensalter oder welcher Musikgeschmack - beim Stramu kommen alle Besucher auf ihre Kosten. Die Künstler jedoch erhalten keine Gage, daher gilt: "Gefällt's dir gut, wirf was in den Hut!"


Kabarett!

Am Sonntag um 20 Uhr tritt HG. Butzko im Theater am Neunerplatz auf. Der "Hirnschrittmacher des deutschen Kabaretts", der erst kürzlich den deutschen Kleinkunstpreis gewonnen hat, überzeugt mit scharfem Wortwitz und einem bestechend klaren Blick auf gesellschaftliche und politische Zusammenhänge. Kein Wunder, dass selbst der Großmeister Dieter Hildebrandt nur in den größten Tönen von ihm gesprochen hat. Nun stellt er endlich sein neues Programm vor.


Theater!

Studierende mit Nachwuchs dürfen sich auf die nächste Vorstellung des Theater Ensemble freuen. Am Freitag um halb vier wird "Michel aus Lönneberga" auf der Sommerbühne gegeben. Die zeitlosen Geschichten um den Lausejungen aus Smaland begeistern auch in der Theaterfassung große wie kleine Lindgren-Fans.

Konzert!

Am Samstag heißt es für alle, die gepflegte Gitarrenriffs und Folk-Akkustik lieben: Ab in die Posthalle! Denn dann spielen "Eric Rust and the Never Sleeps Band - A Tribute to Neil Young" zum großen Benefizkonzert für die Mainfränkischen Werkstätten auf. Unterstützt werden sie von "Mosaik" und Steffi List. Los geht's um 20 Uhr.

Sonntag, 7. September 2014

Typisch Würzburg - Von Riesen, Geistern und Teufelsbünden

Wusstet ihr schon, dass das Stift Haug mit der Hilfe Beelzebubs persönlich errichtet wurde? Tatsächlich schloss der Baumeister einen Pakt mit dem Teufel, um den komplizierten Kuppelbau zu vollenden. Den Preis für seine Hilfeleistung forderte der Höllenfürst noch am Tag der Fertigstellung ein: Die Seele des unglücklichen Baumeisters! So will es zumindest die Sage.

Der Teufel ist einer der beliebtesten Protagonisten des Würzburger Sagenschatzes. Nicht nur beim Bau der Hauger Stiftskirche soll er seine Finger im Spiel gehabt haben, auch während der Errichtung der Alten Mainbrücke bot er seine Dienste an. Da diesmal jedoch niemand auf sein unschlagbares Angebot eingehen wollte, versucht er seither unermüdlich, die Pfeiler zu unterhöhlen und die Brücke zum Einsturz zu bringen. Touristen und Freunde des Brückenschoppens müssen sich allerdings keine Sorgen machen. Auch nach 500 Jahren scheint er dem Erfolg nicht nahe zu kommen. Denn glücklicherweise wacht der Heilige Kilian über die Stadt und und beschützt sie vor den Tücken des Teufels und seiner Helfershelfer.

Arbeit es gab für Kilian und sein Sondereinsatzkommando, die Brückenheiligen, in den letzten Jahrhunderten nun wirklich genug. Galt es doch nicht nur, den unerwünschten Besuch von Riesen - oder schlimmer: Schweden! - zu überstehen, die letzten Tropfen des Kometenweins zu retten oder beschwipsten, da im Keller der Residenz hausenden Gespenstern Herr zu werden. Einmal im Jahr, zwischen Heiligabend und Heiligdreikönig, stand zumindest in früheren Zeiten eine logistische Meisterleistung an. Die Überfahrt der Wilden Jagd über den Main musste organisiert werden, damit diese bunte Truppe aus Geistern und Höllenkreaturen fröhlich weiter durchs Frankenland spuken konnte.

Ihr glaubt das alles nicht? Müsst ihr auch nicht. Euer Vergnügen an den zahlreichen Sagen, Legenden und Märchen aus Würzburg und Umgebung werdet ihr allemal haben. Nachzulesen sind diese etwa in "Sagen aus Franken" von Hans Hermann Schlund oder "Erzähltes und Erlauschtes in Geschichten, Sagen und Legenden aus dem Landkreis und der Stadt Würzburg" von Christian Will und Rudolf Studtrucker. Letzteres findet sich zwar nicht im Buchhandel, dafür im Lesesaal der Unibib.

Zumindest wisst ihr dann, was ihr zu tun habt, wenn der Teufel euch Hilfe bei eurer Seminararbeit verspricht...


Nur die Brückenheiligen können Würzburg jetzt noch retten...
Text: Katharina Stahl
Bild: Jasmin Zimmer

Sonntag, 31. August 2014

Studi- und Kulturticker vom 1. bis 7. September 2014


KINO!

Diese Woche halten die beiden wohl schönsten Themen Einzug ins Kino: Liebe und Essen.

Noch bis Mittwoch kann man sich mit „Can a Song save your Life“ und „Doktorspiele“ auf zwei recht unterschiedliche Filme zum Thema „Liebe“ freuen. Ersterer ist recht dramatisch und handelt von einem Indie-Label-Produzenten, der keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht, aber von einem selbstkomponierten Lied einer jungen Songwriterin mit Liebeskummer zurück in die Realität katapultiert wird.
Für die American-Pie-Fans unter den Würzburgern dürfte allerdings die Jugendkomödie „Doktorspiele“ interessanter sein.

In der Komödie „Madame Mallory und der Duft von Curry“ hingegen geht’s ums Essen. Wie Essen Nachbarn spalten und zu Feinden machen kann, stellen Madame Mallory – Besitzerin eines französischen Edelrestaurants der ersten Klasse – und der indische Familienpatriarch Papa – Eigentümer eines indischen Restaurants – auf beeindruckende und amüsante Weise dar.

MUSIK!

Orgelfans aufgepasst! Noch bis Ende September könnt ihr euch jeden Samstag um 11.30 Uhr von der Orgelmusik verschiedenster Musikepochen in der Augustinerkirche am Dominikanerplatz berieseln lassen. Das Ganze findet unter dem Motto „Würzburger Tastenspiel – Aperokonzerte in der Augustinerkirche“ statt.

FEIERN!

Trotz der Semesterferien ist noch etwas geboten in Würzburg!
Am Freitag kann man sich beispielsweise im Zauberberg von elektronischer Musik beschallen lassen oder sich zum „Mr. Saxobeat Abend“ im Tirili einfinden. Für Mitglieder des weiblichen Bevölkerungsteils gibt’s dort Prosecco und Eintritt gratis dazu.
Wer einen gemütlichen Abend bevorzugt, auf den wartet noch bis zum 7. August die Würzburger Weinparade.

Dienstag, 26. August 2014

Max & Julius Sommerlesetipp # 3: "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers


Willkommen in Buchhaim

Eine Stadt, durchdrungen vom schweren Aroma antiquarischer Folianten und frischaufgebrühten Kaffees. Ein wahres Mekka für Bücherfreunde und Leseratten, die jeden Abend Dichterlesungen zur „Holzzeit“ zelebrieren und Schriftsteller mit an Religiösität grenzender Hingabe verehren. Dem dichtenden Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz kommt es mehr als gelegen, dass ihn seine Suche nach dem Verfasser eines geheimnisumwitterten Manuskripts ausgerechnet nach Buchhaim verschlägt. Die romantischen Fassaden der Stadt bekommen jedoch schon bald Risse. Denn Hildegunst muss feststellen, dass Buchhaim nicht von der unschuldigen Liebe zur Literatur regiert wird, sondern von geldgierigen Agenten, skrupellosen Verlegern – und einer hochbrisanten Verschwörung. Doch diese hat längst beschlossen, den umtriebigen Lindwurm in die Katakomben unterhalb der Stadt zu verbannen – in das finstere Refugium der Buchlinge, Harpyren und Bücherjäger, das wahnsinnige Reich des Schattenkönigs.

Auf der Suche nach einem Phantom

„Die Stadt der träumenden Bücher“ ist der vierte Roman, der auf dem fiktiven Kontinent Zamonien spielt. Dieser sagenumwobene Erdteil beheimatet bereits Helden wie einen gewissen Käpt’n Blaubär, der uns allen aus unserer Kindheit bekannt sein dürfte. Mit dieser Erzählung aus den Katakomben von Buchhaim trat jedoch erstmals der wahre Autor der Zamonien-Romane in das Licht der Öffentlichkeit: Hildegunst von Mythenmetz, der größte Schriftsteller des Kontinents. Walter Moers, so wurde endlich ersichtlich, ist nur der Übersetzer der Mythenmetzschen Werke, keinesfalls ihr Urheber. Ein Versteckspiel, das seit Erscheinen der „Stadt der träumenden Bücher“ im Jahr 2004 konsequent eingehalten wird. Der auch als renommierter Comic-Autor („Adolf“, „Das kleine Arschloch“) bekannte Moers meidet die Öffentlichkeit und tritt völlig hinter seinem Alten Ego, dem so gar nicht öffentlichkeitsscheuen Lindwurm, zurück. So kann es schon einmal vorkommen, dass „Hildegunst von Mythenmetz“ Moers auf dessen facebook-Seite wegen seiner stümperhaften Übersetzungen mit Häme überzieht – und dafür den Beifall der Moers-Leser findet. Die Suche nach Walter Moers gestaltet sich ähnlich wie jene nach dem Schattenkönig in der Dunkelheit der Katakomben. Es ist die Jagd nach einem Phantom.

Eine fantastische Reise durch die Literatur

„Die Stadt der träumenden Bücher“ ist gleichzeitig Kern- und Meisterwerk der Zamonien-Reihe. Denn der Bericht des Ich-Erzählers Hildegunst von Mythenmetz ist ein Glanzstück nicht nur der phantastischen Literatur. Zugleich Märchen, Abenteuergeschichte, Schelmenstück und Krimi, spielt der Roman voll diebischem Vergnügen mit literarischen Formen und stellt immer wieder subtile Bezüge zu bekannten Vertretern der deutschen Literaturgeschichte her. So beschwert sich Hildegunst etwa über die Dominanz eines gewissen Ojahnn Golgo van Fontheweg, dem „Platzhirsch der zamonischen Klassik“. Doch nicht nur Germanistikstudenten werden ihren Spaß daran haben, die Rätsel und Anspielungen dieses Romans zu entwirren. Sein feiner Humor ist seiner intensiven Sprachgewalt ebenbürtig und so ist es sicher keine gute Empfehlung, im vollbesetzten Zug in diesem Buch zu schmökern. Denn während man die komischen Szenen kaum ohne zumindest verhaltenes Gekicher lesen kann, werden auch hart erprobte Vielleser nicht behaupten können, auf den letzten Seiten die Fassung behalten zu haben. Wenn der Schattenkönig sein wahres Antlitz zeigt und Hildegunst schließlich seinen Weg zum Dichtertum findet, vereinen sich sämtliche der vielfältigen Romanmotive zu einer einzigartigen Hymne auf die Literatur, die Kunst und das Leben.


Text: Katharina Stahl
Bild: Piper Verlag

Montag, 25. August 2014

Studi- und Kulturticker vom 25. bis 31. August 2014



KULTUR !

Das Universitätsklinikum lädt momentan (bis 31.10.2014) zur Ausstellung BilderAugenBlicke ein. Hier werden ganz besondere Kunstwerke gezeigt – gemalt von Kindern und Jugendlichen der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Zentrums für Psychische Gesundheit, im Rahmen einer Kunsttherapie. Es werden Einblicke gewährt die selbst Kunstbanausen nicht kalt lassen und zum Nachdenken anregen.

FEIERN!

Eingefleischte Elektro-Fans sollten sich am Freitag auf den Weg ins Airport begeben. Dort werden euch die Hamburger DJs von Moonbootica, die schon seit den 90ern zusammen auflegen, ordentlich einheizen.  Wer es etwas „ruhiger“ mag oder einen netten Ort zum Vorglühen sucht und sich von dem recht herbstlichen Augustwetter nicht einschüchtern lässt, der kann ab Donnerstag auf der Würzburger Weinparade am Markplatz, den ein einen oder anderen edlen Tropfen genießen. 

MÄDCHENSACHE!

Mädels aufgepasst: Am Sonntag geht der Mädchenflohmarkt im Zauberberg in die nächste Runde! Auch bei schlechten Wetter ein absolutes Muss für Freundinnen der Nachhaltigkeit, Vintage-Liebhaberinnen und Schnäppchenjägerinnen. Von 14 Uhr bis 18 Uhr könnt ihr hier neue Lieblingsstücke ergattern oder altgewordene loswerden.

Donnerstag, 21. August 2014

Kommentar: Mobilität und Hochschulwechsel in Zeiten der Bologna-Reform




Ein Hauptpunkt der Bologna-Reform ist die Förderung der Mobilität. "Förderung der Mobilität durch Überwindung der Hindernisse, die der Freizügigkeit in der Praxis im Wege stehen, insbesondere - für Studierende: Zugang zu Studien- und Ausbildungsangeboten und zu entsprechenden Dienstleistungen" heißt es in der Erklärung von Bologna. Doch was heißt Förderung von Mobilität?



Bei dieser Formulierung wird das nicht so leicht klar. Man könnte darunter auch die Anbindung der Universitäten an die öffentlichen Verkehrsmittel verstehen. Tatsächlich, das wird häufig nicht hinreichend erklärt, geht es um einen leicht möglichen Hochschulwechsel ohne erbrachte Leistungen zu verlieren. Das war vor der Reform nicht vorgesehen. Wollte man früher die Hochschule wechseln so gab es keine rechtliche Garantie, die Leistungen anerkannt zu bekommen. Man musste schlimmstenfalls wieder ganz von vorne anfangen. Die Praxis sah allerdings anders aus. Häufig war ein Hochschulwechsel im selben Fach mit einem Vordiplom oder einer bestandenen Zwischenprüfung möglich, da die Hochschulen darauf vertrauen konnten, daß ihre Zwischenprüfungen vergleichbar waren.



Mit der Reform sollte diese Praxis rechtsverbindlich werden, womit die Studenten bei der Anerkennung nicht mehr auf den guten Willen der Prüfungsämter angewiesen sind. Dazu ist das sogenannte Leistungspunktesystem ECTS gedacht. Damit sollte es auch rechtlich möglich sein, ohne Probleme die Hochschule zu wechseln. Das macht es natürlich auch notwendig für die Hochschulen, die Studienstruktur anzupassen, damit sie vergleichbar wird. Da es das erste Ziel der Bologna-Reform ist, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Dabei geht es aber nicht nur um die Standorte in Bayern oder Deutschland, sondern um die Hochschulen aller Länder, die der Bologna-Erklärung beigetreten sind, vom Polarkreis bis zum Mittelmeer. Es verwundert nicht, wenn es zu Problemen bei der Anrechnung von Leistungen kommt, wenn jemand z. B. vom Baltikum nach Südeuropa wechseln will oder umgekehrt.



Zumindest aber innerhalb Deutschlands müsste das klappen, sollte man meinen. Es ging ja früher auch. Doch die Realität sieht anders aus. Was früher anerkannt wurde, geht heute oft nicht mehr, wenn es rechtlich nicht vorgesehen ist. Module müssen gleich sein, damit sie anerkannt werden. Die Studiengänge des Bachelor-Master-Systems sind oft in mehr verschiedene Richtungen spezialisiert. Studierte man früher Mathematik oder Physik und nahm das jeweils andere als Nebenfach, so gibt es heute auch mathematische Physik und Computational Mathematics. Neben den Fächern Theologie und Philosophie gibt es heute auch das Fach Philosophie und Religion an der Uni Würzburg. An anderen Unis können sie wieder anders heißen und inhaltlich anders zusammengestellt sein. Da mag dann manches anrechenbar sein, weil inhaltlich gleich. Wenn sich dann aber die Stundenzahl unterscheidet und damit auch die Anzahl der Leistungspunkte, dann gehen die Probleme schon los und das schon innerhalb Deutschlands, von Europa ganz zu schweigen.

Was also früher rechtlich nicht vorgesehen, aber praktisch möglich war, ist heute rechtlich verankert, aber praktisch schwierig.



Schreibt uns doch mal, was Ihr für Probleme mit Anrechnungen hattet.

Der Weg zum Abschluss wird immer mühsamer


 Text: Frank Alig

Foto: "Maximilian Mühlens" / www.jugendfotos.de