Sonntag, 17. August 2014

Studi- und Kulturticker: 18.-24. August 2014


Ausstellung!

Montags bis Donnerstags von 8 bis 18 Uhr kann der geneigte Würzburger Bürger im Rathaus eine Ausstellung zum Thema "Datenschutz" besuchen. Vom Eid des Hippokrates bis hin zum Enthüllungsskandal um Edward Snowden werden 2500 Jahre Datenschutz erlebbar gemacht und gleichzeitig aktuelle gesetzliche Grundlagen und neue Fragestellungen erörtert.

Historiker und historisch Interessierte dürfen die Sonderausstellung des Siebold-Museums nicht versäumen. Im Rahmen des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gewährt das Deutsch-Japanische Forum Würzburg Einblicke in den Alltag deutscher Kriegsgefangener in Japan und erläutert die Bedeutung des Fernen Ostens für den Verlauf des weltumspannenden Krieges. Die Ausstellung hat Dienstag bis Sonntag von 14.30-17.30 Uhr geöffnet.


Party!

Freunde der gepflegten House-Musik kommen am Wochenende in der Bombe auf ihre Kosten. Am Freitag und Samstag setzt es Elektro House, bis halb zwölf kosten alle Cocktails und Longdrinks nur 5 Euro.


Ausflug!

Wer die letzte Augusthälfte noch einmal für einen sommerlichen Ausflug auf dem Main nutzen möchte, kann ab 10 Uhr zu jeder vollen Stunde die Fähre Richtung Veitshöchheim besteigen. Dort lockt der schöne Schlossgarten dazu, den Unistress für ein paar Stunden einfach mal hinter sich zu lassen. Die Fahrt mit der Fähre kostet 8 Euro, für den Nachwuchs macht es 5 Euro. Abfahrt ist am Alten Kranen.

Mittwoch, 13. August 2014

Max & Julius Sommerlesetipp #2: Nullzeit von Juli Zeh

Fesselnd und abrgrundtief
Juli Zehs Nullzeit wird zum beklemmenden Rätsel um Lüge und Wahrheit

Fesselnder Psychothriller über eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung
 
 Taucht man mit einem Druckluftgerät, wird der Stickstoff in der Atemluft vom Gewebe und dem Blut des Tauchers aufgenommen. Umso höher die Tauchtiefe und somit der Umgebungsdruck, umso mehr Stickstoff löst sich im Körpergewebe. Kommt der Taucher zu schnell an die Oberfläche zurück, hat dies den gleichen Effekt, wie bei einer geschüttelten Mineralwasserflasche, die geöffnet wird. Der Tod kann Folge sein.
Die Nullzeit ist die Zeitspanne, die ein Taucher unter Wasser bleiben und anschließend ohne Pause zurück an die Wasseroberfläche kehren kann. Den Namen dieses Phänomens trägt Juli Zehs Roman Nullzeit.

Seltsame Charaktere

Die Schauspielerin Jolante Augusta Sophie von der Pahlen, die lieber Jola genannt werden möchte, ist mit ihrem Lebensgefährten Theo Hast nach Lanzarote gekommen, um sich auf ein Casting vorzubereiten. Sie möchte die Rolle der Lotte Hass bekommen, der berühmten Tauchpionierin, und sieht dies als letzte Chance, sich im Spielfilmbusiness zu etablieren. Theo ist Schriftsteller. Veröffentlicht hat er schon lange nichts mehr.  Auf Jola sieht er herab, behandelt sie schlecht. Sie ihn aber auch. Ein seltsames Paar, bei dem keiner so richtig durchsteigt.
Sven, gescheiterter Jurist – und zwar nicht an schlechten Noten, sondern an boshaften Professoren – lebt gemeinsam mit Antje auf der Insel. Die beiden führen eine Tauchschule und ein ruhiges Leben – bis Jola und Theo auftauchen. 14.000 Euro zahlen sie Sven für eine Rundumbetreuung. Nicht nur Tauchunterricht gibt es dafür, sondern auch 24/7 Chauffeurservice, Inselführungen und Abendbegleitung inklusive.

Folgenschwere Dreiecksbeziehung

Aus einem harmlosen Flirt Jolas mit Tauchlehrer Sven entwickelt sich eine folgenschwere Dreiecksbeziehung. Der hat Deutschland verlassen und will sich nicht in fremde Probleme einmischen. Das klappt bei dem irren Künstlerpaar so nicht. Nun wird er in einen Strudel aus Wahrheit und Lügen, Tätern und Opfern hineingezogen, gegen den er nicht mehr ankommt. Ein mörderisches Spiel, in dem er vom Zeugen zum Mitschuldigen wird, nimmt seinen Lauf.

Ein beklemmendes und kaltes Gefühl bleibt

Geschickt stellt Juli Zeh die Erinnerungen des Tauchlehrers Sven den Tagebucheinträgen Jolas gegenüber. Was sich anfangs noch die Waage hält, wird für den Leser zum großen Rätsel um Wahrheit und Lüge. Immer mehr driften die Berichte von Jola und Sven auseinander, bis am Ende kein einziges Detail mehr zueinander passt. Man stellt sich unweigerlich die Frage, wer der beiden sich seine Lügen zusammenfantasiert und wer die Ereignisse unverfälscht wiedergibt. Automatisch wird der Leser auf eine Seite gezogen, doch am Ende ist man sich auch hier nicht mehr sicher, ob man dem Richtigen Glauben geschenkt hat. Der Roman lässt ein beklemmendes und kaltes Gefühl zurück, wie es typisch für die Autorin ist.

Geschickte und durchdachte Komposition

Juli Zeh hat hier einen fesselnden und aufregenden Roman vorgelegt, der durch seine geschickte und durchdachte Komposition besticht. Ist man erst einmal über den Wendepunkt der Geschichte hinaus, fällt es schwer ihn wieder niederzulegen. Die Neugierde, die von einem unguten Gefühl getragen wird, lässt dem Leser keine Ruhe und treibt ihn zum Weiterlesen an. Nicht verwunderlich also, wenn man alles um sich herum stehen und liegen lässt, um den Ausgang der kuriosen Dreiecksbeziehung zu erfahren. So ganz zufrieden lässt das Ende einen aber nicht zurück. Noch eine Weile wird man über das Gelesene nachdenken und sich die Frage nach der Wahrheit stellen.
Ganz typisch für die Autorin werden auch in Nullzeit wieder Chaos und Ordnung gegenüber gestellt. Bekannt ist diese Konstellation bereits aus Romanen wie Spieltrieb oder Corpus Delicti. Die beiden Antagonisten stehen im krassen Gegensatz und der Roman stellt wie gewohnt Fragen zu Neuaufbau von Sinn und Moral, wenn tradierte Werte zur Bedeutungslosigkeit geworden sind.

Die Juristin kann es nicht lassen

Wie auch andere Werke von Juli Zeh ist Nullzeit von Juli Zehs Werdegang geprägt. Bei der politisch engagierten Juristin, die ihr literarisches Zweitstudium in Leipzig absolvierte, werden immer wieder rechtliche Problematiken zum Thema gemacht. Auch hier, wo man es eigentlich nicht mehr erwartet, überrascht das Ende nicht nur mit einem Mord, sondern auch mit dessen etwaigen juristischen Konsequenzen. Hieraus resultiert letzten Endes auch die spannende Form der Gegenüberstellung von Tagebucheinträgen und Erinnerungen. Juli Zeh kann einfach nicht von ihrer juristischen Denkweise lassen. Das tut diesem fesselnden und abgrundtiefen Werk jedoch keinen Abbruch.
 
Text: Beatrice Kennepohl
Bild: Schoeffling & Co Verlag

Dienstag, 12. August 2014

Kein Hafensommer ohne neue musikalische Entdeckungen


17 Tage lang erlebte das Würzburger Publikum beim achten Würzburger Hafensommer ein buntes Programm mit internationalen Künstlern. Neben den namhaften Stars, allen voran Helge Schneider, dessen Konzert ausverkauft war, kommt das Festival nicht ohne die noch unbekannteren Musiker aus. Der Würzburger Hafensommer ist immer für Entdeckungen gut. Die neuen musikalischen Lieblinge der Max&Julius-Reporterin Anna lest ihr hier:

Ein Italiener am Akkordeon

Maurizio Minardi wohnt in London, ist aber ein waschechter Italiener mit abgefahrener Space-Brille. Der Akkordeonist und Pianist spielte beim Hafensommer-Konzert in Begleitung von Shirley Smart am Cello. Minardi präsentierte seine neueste Scheibe „The Cook the Clown the Monk ​and the Accordionist​“. Die Musiktitel heißen etwa „The Monk’s Escape“, „Five is Better than Four“ oder „The Gambling Queen“. Auf den Studio-Aufnahmen werden die beiden Musiker von Bass und Schlagzeug verstärkt.
In feinsinnigen und vor allem melodischen Instrumentalstücken spürte Minardi dem italienischen Sommer nach, ohne kitschig zu werden. Bisweilen sentimental und dann wieder geradezu euphorisch bewegte er sich in Gefilden, die wohl jedem taugen, der mit Yann Tiersens Soundtracks von „Die fabelhafte Welt der Amelie“ etwas anfangen kann.  



Eine Französin in englischer Sprache

Die Songwriterin Joe Bel macht Popmusik. Sie kommt aus Frankreich, singt aber in englischer Sprache, was ihren eingängigen Liedern keinen sonderlichen Abbruch tut. Mit ihrer Stimme – ein wenig kratzig, rotzfrech, energisch, aber dennoch feinfühlig neckte sie mit der Musik ihre Zuhörer. Auf der Bühne bewegte sich die hübsche Erscheinung genussfreudig.
Bels erste EP heißt „In The City“ und so klingt sie auch – urban. Gleichzeitig ist die Musik modern und irgendwie mondial. Vielleicht singt sie deshalb auf Englisch. Dennoch fragt man sich, welchen Hauch man verspürte, wäre der Text auf Französisch. 




Eine Stimme und ein Bass

Was erstmal ungewöhnlich, wenn nicht sogar langweilig klingt, entpuppte sich auch für die Gäste beim Hafensommer als eine stimmungsvolle Musik mit Soul: Das Duo Siyou’n’Hell lieferte mit Siyou Ngnoubamdjum am Gesangsmikro und Hellmut Hattler am E-Bass eine eindrucksvolle Show ab. In ihrem Programm haben sie eigene Stücke und Cover-Songs.
Der knackige Funk-Bass ergänzte sich glänzend mit der Soul-Stimme. Hattler legte am Bass eine perkussive Spielweise an den Tag, der ein Schlagzeug überflüssig machte, zumal das Publikum teils bei dessen Beatboxing mitgrooven konnte. Sogar eine Gitarre wäre nicht nötig gewesen, schlug Hattler doch die Akkorde einfach am Bass. In Verbindung mit Siyous kraftvoller Gospelstimme kann man hier nur von einer explosiven Mischung sprechen.      
 



Energiegeladener Jazz

Sechs exzellente Instrumentalisten bilden zusammen mit Trompeter Micha Acher das Alien Ensemble. Auf dem Cover ihres brandneuen Albums ist lediglich ein Ufo zu sehen – kein Titel, kein Bandname. Und so präsentierten sich die Musiker auch beim Hafensommer. Zwar nicht namenlos, aber dennoch mit reiner Instrumentalmusik, die erahnen ließ, welcher sinnliche musikalische Eindruck so erst entsteht.
Das Alien Ensemble spielte energischen und energiegeladen modernen Jazz. Die Profimusiker beherrschten ein perfektioniertes Zusammenspiel – ständig getrieben und in absoluter Hingabe. Auch als Solisten am Schlagzeug, Bass, Vibrafon, Altflöte, Bassklarinette, Saxofon, Posaune oder Harmonium konnte man der Anziehungskraft dieser Musik nicht entfliehen.   




Die eindrucksvollsten Neuentdeckungen vom Hafensommer Würzburg 2014 haben wir euch hier vorgestellt. Beim Hafensommer treten stets so viele verschiedene Künstler auf, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Vielleicht wollt ihr nächstes Jahr Ähnliches erleben. Unser Fazit: Sich einfach mal in die Konzerte setzen und schauen, was passiert, lohnt sich allemal. Wer viele Darbietungen sehen möchte, genießt mit einer Dauerkarte alle Freiheiten.       

Hafensommer 

Text und Auswahl der Videos: Anna Lang

Sonntag, 10. August 2014

Studi- und Kulturticker: 11. - 17. August 2014

Theater!

Wer kennt sie nicht, die spannende Geschichte vom Drachentöter Siegfried, der holden Kriemhild und dem sagenumwobenen Schatz der Nibelungen? Seit vielen Jahrhunderten schon zieht sie uns in ihren Bann und wird in den verschiedensten Versionen immer wieder neuaufgelegt. Derzeit in Form einer unterhaltsamen Musikkomödie, die einen heiteren Abend mit jeder Menge neuer Erkenntnisse verspricht. "Drachengold" – In den Niederungen der Nibelungen am 12. August im Sommertheater am Schützenhof.

Museum!

Wie sah Multi-Kulti in der Antike aus? Wen diese Frage neugierig macht, der sollte sich die aktuelle Ausstellung in der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums im Südflügel der Residenz auf keinem Fall entgehen lassen. Zu sehen sind Kunstwerke des alten Ägyptens, die in einer Zeit entstanden, als das Reich unter griechischer und römischer Herrschaft stand und einen Eindruck von der dadurch entstandenen kulturellen Vielfalt vermitteln. Dienstag bis Samstag 13.30 – 17.00 Uhr.

All U Can Party!

Am 13. August wird das Tirili 25 Jahre alt und feiert zu diesem Anlass auch wie vor 25 Jahren. Geboten werden jede Menge Musikklassiker und dazu passend nostalgisch kleine Eintrittspreise.

Kino!

Studenten-WGs sind laut, feiern die ganze Zeit und gehen damit ihren älteren Nachbarn gehörig auf die Nerven – soweit die gängige Meinung. Dass sich der Spieß auch einmal umdrehen kann, zeigt die Komödie „Wir sind die Neuen“ in der eine wiedergegründete Alt-68er-WG ihre gestressen, jungen Hausgenossen in den Wahnsinn treibt. Montag bis Mittwoch im Programmkino Central.

Mittwoch, 6. August 2014

Typisch Würzburg - Willkommen in Weinfranken


Würzburg an einem lauen Sommerabend, eine fröhliche Runde und ganz viel Gesprächsstoff. Was noch fehlt? Natürlich, ein Glas Frankenwein.

Die Weinkultur hat in Würzburg eine lange Tradition, immerhin datieren die ältesten Urkunden bezüglich des Weinanbaus auf dem Gebiet der Stadt aus der Zeit Karls des Großen. Umgeben von Weinbergen zog der Bischofssitz seinen Wohlstand anschließend über Jahrhunderte aus dem Saft der Reben. Die örtlichen Weingüter – allen voran das Bürgerspital, das Juliusspital und der Staatliche Hofkeller – liefern ihre Frankenweine heute in alle Welt. Auch die Queen genießt gerne einmal einen Riesling und erkor eine trockene Spätlese von den Hängen des Julius-Echter-Bergs im Jahr 1953 sogar zu ihrem Krönungswein. Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hingegen bevorzugte „Steinwein“, einen der, wie schon ein altes Volkslied behauptet, besten Weine Deutschlands:

Zu Klingenberg am Main,
zu Bacharach am Rhein,
zu Würzburg auf dem Stein,
da wächst der beste Wein.


Fragt man einen Mainfranken nach seinem Lieblingstropfen, wird man in 90 % der Fälle eine wenig überraschende Antwort zu hören bekommen: Silvaner! Die Franken schwören mit solcher Hingabe auf ihren Wein, dass sich ein Würzburger Fürstbischof im Barockzeitalter schon mal genötigt sah, zur Erhaltung der öffentlichen Moral den Weinkonsum – übrigens insbesondere der Fränkinnen - streng zu regulieren. Heute genießt der Würzburger sicherlich mit etwas mehr Kultur und zeigt dafür umso mehr Begeisterung für die Geschichte des Frankenweins. Diese kann etwa mit einer Wanderung entlang des Stein-Wein-Pfads oder einer Führung durch die Gewölbe des staatlichen Hofkellers unterhalb der Residenz erlebbar gemacht werden. Am Ende einer solchen Führung erwartet die Teilnehmer dann auch eine kleine Weinprobe.
Mit Silvaner. Wer hätte es für möglich gehalten?
 
Alte Weinfässer im Staatlichen Hofkeller unterhalb der Residenz

Text: Katharina Stahl
Bild: Jasmin Zimmer

Montag, 4. August 2014

Max & Julius Sommerlesetipp #1: Baschar und mein Leben im Goldfischglas von Vincent E. Noel


Ein merkwürdig interessantes Buch mit eigenwilliger Erzählweise


Syrien während des Bürgerkriegs 2013. Die Geschichte besteht aus vier Teilen, welche durch zwei verschiedene Personen erzählt werden, der eigentliche Autor tritt dabei nur als Herausgeber in Erscheinung. Der erste und dritte Part wird von einem jungen Mann aus dem einfachen Volk verfasst, die beiden anderen von der Frau eines Offiziers, der Rebellen und deren Angehörige foltert: Am Anfang ist es etwas schwierig, sich in die Gedanken der Erzähler einzufinden, da beide letzten Endes in ihrer passiven Hilflosigkeit und ihrer Heimatstadt, die sich in einen gespenstigen Käfig verwandelt hat, gefangen sind. Die sehr hektische Erzählweise – viele Wörter, wenig Satzzeichen und damit wenig Ruhe vor dem Bombardement durch die Schreckensbilder eines zerstörten Landes -  ist von der Angst und dem gleichzeitigem Versuch, aus dem Wahnsinn doch irgendwie einen Alltag zu gestalten, geprägt. Dadurch erkennt der Leser nur langsam die Zusammenhänge und versteht die Geschichte erst allmählich anhand der Details, welche sie vom einen zum anderen Erzähler tragen. 

Scheinbar sinnlose Inseln von Banalem als Rettungsanker der Erzähler

So wird der erste Part aus der Sicht eines jungen Mannes beschrieben, dessen Bruder sich, wie man im Laufe der Ereignisse langsam erahnt, den Rebellentruppen angeschlossen hat, die gegen Machthaber al-Assad kämpfen. Um den Aufenthaltsort des Bruders herauszufinden, werden nacheinander die junge Schwester, der Vater und schließlich der Erzähler selbst von den Schergen des „bösen, bösen Mannes im Palast“ entführt und gefoltert. Gerade die furchtbar beiläufige Erwähnung dieser Ereignisse, deren Brutalität sich immer mehr steigert und die vom Erzähler als Alltag akzeptiert werden – den Schmerz und die Demütigungen empfindet er als nicht mehr auf sich selbst bezogen – zeigen dem Leser, wie sinnlos und brutal dieser Krieg vor allem zu den Menschen ist, die eigentlich nichts damit zu tun haben und nur irgendwie (über)leben wollen.
Beide Erzähler versuchen sich noch im Folterkeller beziehungsweise nach dem Tod, an Kleinigkeiten in ihrem Elend festzuhalten, um nicht komplett wahnsinnig zu werden. Stellenweise scheint jedoch die Angst und das Elend ihrer Stadt überhand zu nehmen, wie der Leser an sich wiederholenden, eigentlich sehr nebensächlichen Informationen (Gefährlichkeit des Rauchens, Rezept usw.) deutlich merkt, von denen die eigentliche Geschichte vor allem anfangs oft unterbrochen wird. Diese scheinbar sinnlosen Inseln von Banalem fühlen sich jedoch immer mehr wie ein nur scheinbar trivialer Rettungsanker der Erzähler in einem zerstörten und in sich zerrissenen Land und Alltag an und zeugen von den kleinen geistigen Aussetzern der beiden, wenn das Grauen in ihren Leben überhandnimmt.
Ein besonders seltsamer Aspekt des Buchs ist, dass der vierte Part von seiner Erzählerin nach deren Tod verfasst wird: Der Bruder des ersten Erzählers, der sich den Rebellen anschloss und dessen Familie vom Mann der zweiten Erzählerin gefoltert wurde, tritt hier zum ersten Mal auf ziemlich einschneidende Art und Weise in Erscheinung…

Keine nette Gute-Nacht-Lektüre

Insgesamt ein merkwürdig interessantes Buch, dessen eigenwillige Erzählweise auf sehr beklemmende und eindrucksvolle Art die Schrecken eines Kriegs nahe bringt, bei dem der Herrscher gegen sein eigenes Volk kämpft. Der Wahnsinn lauert hier hinter vielen Ecken, keine der beiden Seiten scheint besonders viel Wert auf Menschenleben zu legen, jeder Tag könnte der letzte sein, das sinnlose Warten drückt schon dem Leser als bloßem Beobachter der Situation stark aufs Gemüt und vor allem: eine Verbesserung der Lage für die normale Bevölkerung ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil.
Das Buch ist also bei weitem keine nette Gute-Nacht-Lektüre, sondern regt zum Nachdenken an und zeigt auch, wie schnell ein vermeintlich alltägliches Leben zerstört werden kann und wie kostbar der Frieden, den wir als Normalzustand erachten, eigentlich ist.

Text: Valeria Bopp
Bild: Scribo Verlag

Sonntag, 3. August 2014

Studi- und Kulturticker vom 4. bis 10. August 2014


THEATER!

Vor der traumhaften Kulisse des Efeugartens neben dem Würzburger Ratskeller (Rathaus) wird der Kultfilm „Casablanca“ neu aufgeführt – allerdings als erfrischend komische Parodie. Ab dem 04. August um 20 Uhr wird die Neuauflage des Kultfilms von dem Würzburger Theater-Ensemble aufgeführt. Ein Muss für alle Fans des Klassikers von 1942, aber auch für all jene, die die Story noch nicht kennen. Karten gibt’s auf der Homepage des Würzburger Theater-Ensembles, für Studenten ermäßigt für 7,50€.

PARTY!

Highheels-Night „Shake dat ass“ im Zauberberg am Freitag, dem 8. August. Bis 22 Uhr ist freier Eintritt. Zu 100% Black Music kann ordentlich getanzt werden, und für die Highheel-Profis unter uns gibt es freien Eintritt, solange die Hacken höher als 9cm sind - ob sie wohl wirklich nachmessen? Sicherheitshalber solltet ihr lieber zusätzlich flache Schuhe dabei haben, denn erfahrungsgemäß können solche Nächte lang werden!

HAFENSOMMER!

Am 10.August endet der Würzburger Hafensommer mit einem ganz besonderen Konzert auf den Mainwiesen: Das britische Bandprojekt LaData bezeichnet sich als „Afro-brasilianisch durchtränkter Londoner Tropicalismo mit Killer-Grooves" und präsentiert einen super interessanten interkulturellen Mix verschiedener Stilrichtungen. Die ermäßigten Karten kosten an der Abendkasse 10€.